Familienpolitik - (K)ein Thema für die Frauen- und Geschlechterpolitik?

21.03.2012

Wir haben mit unserem Workshop zu Familienpolitik beim grünen Genderkongress Neuland betreten. Der Titel war eine rhetorische Frage: „Ist das Private politisch?“

Ja, denn: Rollenbilder werden nicht nur in der Arbeitswelt und den Medien, in Kita und Schule geprägt, sondern gerade auch in Familien – und gesellschaftliche Verhältnisse schlagen sich nach wie vor auf gelebte Rollenmuster in der Familie nieder. Viele Frauen haben Angst, dass sie an der Vereinbarkeit von Familie und Beruf scheitern. Dahinter steckt auch die Angst, einem Leitbild nicht gerecht zu werden, nämlich dem Leitbild von der finanziell unabhängigen berufstätigen Frau, die nebenbei womöglich auch noch Mutter ist. Unsere grüne Antwort auf dieses Problem lautet bislang: mehr Karriereoptionen für Frauen eröffnen, mehr Maßnahmen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wir glauben, dass das nicht die ganze Antwort ist und wollen in diesem Diskussionspapier einen (selbst)kritischen Blick auf Begriffe werfen, mit denen wir politisch operieren, um daraus dann gemeinsam neue politische Handlungsoptionen zu entwickeln – auch, aber nicht nur für die grüne Frauenpolitik.

 

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Wir freuen uns auf euer Feedback!

 

Bettina Jarasch und Karoline Killat

Kommentare

…., wenn die Grünen ein implizites Leitbild der modernen berufstätigen unabhängigen (Karriere-)Frau haben, dann wäre dieses und noch mehr die heutigen Lebenssituationen, die den jungen Akademikerinnen in den vergangnen Jahrzehnten zugewachsen sind, eine üble Verschlimmböserung der Lebenschancen und eine verheerende Prekarisierung zu Lasten junger Familien.- Ich denke, Ihr solltet ein großes und präzises Mind-Map aller heutigen und wünschenswerten Lebensmodelle "Familie" und aller dazugehörigen Vernetzungen und Versorgungen erstellen, um einen einseitigen Blick durch die rosa-grüne Brille zu vermeiden.- Familie ist da, wo Kinder sind und/oder wo Menschen dauerhaft Verantwortung für Mitmenschen übernehmen, finde ich noch passender formuliert. Dazu brauchen wir aber flexible Nahversorgung. Offenbar ist die Generation der heute 20-30Jährigen so sehr überfordert und übervorteilt, dass auch die Großeltern regelrecht in die Pflicht genommen werden müss(t)en.- Und: Wo sind die Kinderläden, die EI-Kitas, die Schülerläden, die Schüler-Horte, die Tagesmütter, die offenen Kitas? Die ambulanten und auch offenen Pflegestellen? Die Prekarisierung hat Lücken gerissen, die kaum noch zu überbücken sind, und die Vielzahl der Lebensmodelle führte zu Lücken, die eine große Vielfalt an Lösungen und Optionen erfordern. Meiner Auffassung nach sollte eine verfassungsrechtliche Betrachtung dessen, was nach dem GG schützenswert ist an der Familie keinesfalls fehlen. Wie kann man z.B. so viele junge Akademikerinnen (40%) von der Familienbildung verschrecken und faktisch ausschließen? Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wie in den 80ern gefordert insbesondere durch eine Arbeitszeitverkürzung auf 30 Wochenstunden für alle, ist nur die eine Seite des Rahmens. Die Vielzahl an Optionen einer Familiengestaltung, die work life balance ist doch die andere Seite, an der es noch mehr mangelt.- Als Frau und Mutter die freie Wahl zu haben und außerdem gleich und autonom am Leben und Wirken teilhaben zu können - trotz und wegen der Kinder, ist doch schwieriger zu realisieren denn je: da muss politisch mehr her als eine Reparatur durch Kosten und/oder Versorgungspolitik.- RenaStraet, 23.3.2012/Berlin (Mitte)

Liebe Bettina und liebe Karoline, ihr habt das alles sehr gut auf den Punkt gebracht. Die Verantwortung für das Familienleben übernehmen vorwiegend die Frauen - das habe ich gemerkt, als ich als alleinerziehende Mutter soziale Kontakte aufbauen wollte und mich plötzlich auf reinen "Mutti-Kind-Treffen" wiederfand. Es fehlen (mir) auch dort die Männer. Aber gibt es solche breitgefächerten Angebote auch für "(Wochenend)-Vatis", die vielleicht auch nicht viele "Vati-Kind-Kontakte" haben? Meines Wissens gibt nur eins hier im Prenzlauer Berg. Außer in der Berufswelt sehe ich also auch auf der Freizeit-Ebene Handlungsbedarf, Angebote für Väter zu entwerfen und über alle möglichen Medien publik zu machen, damit sich auch die Väter nicht alleine gelassen fühlen und mehr Verantwortung für ihre Kinder übernehmen. Meine Idealvorstellung wäre dann, wenn getrennte Eltern über so ein Treffen gemeinsam Zeit mit ihren Kindern verbringen könnten. Eure Vorschläge zur Vertiefung des Themas finde ich gut. Mich persönlich interessiert vor allem, den vorherrschenden Arbeitsbegriff zu hinterfragen und den Generationendialog fortzusetzen. Viel Erfolg auf der Frauenversammlung. Ich werde wahrscheinlich leider nicht kommen können. Schöne Grüße Aroti
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