Tempelhof nachhaltig entwickeln!

22.06.2012

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Stachlige Argumente 2012-06 Nummer 185 - Debatte Grün - Berlin 2012/13

Der ehemalige Flughafen Tempelhof schenkt uns ein großes freies Feld mitten in der Stadt. Bislang fehlt ein klares Leitbild. Gerade darum ist endlich ein stringentes Verfahren der Bürgerbeteiligung notwendig, die aber mehr sein muss als Information über bereits Beschlossenes. Wir Grünen meinen, dass gerade Tempelhof in umfassender Weise zum Modell umweltverträglicher und nachhaltiger Stadtentwicklung im Umgang mit Gebäuden, Freiflächen und Verkehr, mit Energie, Baumaterialien, Wasser und Abfällen werden muss.

Viele Menschen wünschen sich, dass das Gebiet des ehemaligen Flughafens so bleiben möge, wie es jetzt ist. Doch beim Senat gibt es ein kräftiges Tauziehen um die Bebauung. Der bestellte Träger Tempelhof Projekt GmbH möchte vor allem, dass sich die Grundstücksveräußerung gut „rechnet“. Die 2008 vorgelegte Planung, nach der die Fläche innerhalb des vorhandenen Taxiways eine große Parklandschaft werden soll, steht in Frage. Die Baufelder im Westen, Süden und Osten sollen verbreitert, der Taxiway enger gezogen werden. Eventuell entfällt dafür das 'Columbiaquartier' im Norden. Wir Grünen sind entschieden gegen die Ausweitung der Baufelder über den bestehenden Taxiway hinaus. Für Neukölln ist uns besonders wichtig, dass der Schillerkiez hier bald eine neue Schule bekommt.

Sinnvolle Konzepte gesucht!
Für das denkmalwerte Flughafengebäude gibt es nicht einmal die Suche nach einem Nutzungskonzept, weil Klaus Wowereit es für zweimal jährlich drei Tage an die Bread & Butter-Messe vergeben hat. Statt den Gebäudebestand zu nutzen, will der Senat einen Neubau für die Stiftung Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) auf die Südwest-Ecke des Feldes an den Tempelhofer Damm stellen. Niemand weiß, woher dafür 270 Millionen Euro kommen sollen. Wir Grünen fordern, dass erst einmal die Standorte der Amerika Gedenkbibliothek und des Flughafengebäudes für die ZLB ernsthaft geprüft werden.

Wir unterstützen im Grundsatz die Pläne für die Parklandschaft und für eine Internationale Gartenausstellung (IGA) 2017. Uns ist dabei wichtig, dass möglichst wenig „Schnickschnack“ geplant wird. Das Feld muss in seinen wesentlichen Teilen Feld bleiben. Hierfür müssen die Probleme der Abgrenzung der IGA und der Zugänglichkeit während der Ausstellungszeit öffentlich erörtert werden. Klarheit muss auch über die notwendigen Sportfelder für die Bezirke geschaffen werden. Im Süden sollen eine neue Autobrücke und ein neuer S-Bahnhof gebaut werden. Es gibt Ideen, hier einen Omnibusbahnhof zu bauen und eine neue Straße auf das Feld zu legen. Wir sprechen uns dafür aus, dass ausschließlich die notwendige Erschließung für die neuen Baufelder geplant wird und zwar so, dass kein Autoverkehr auf den Taxyway kommt. Der soll Fuß- und Fahrradweg und Markierung der Baugrenze sein. Ein Omnibusbahnhof gehört an zentrale ÖPNV-Knoten wie das Südkreuz.

Über Zukunftspläne die Vergangenheit nicht vergessen…
Bei so viel Zukunft muss aber auch die Erinnerung an das KZ Columbiahaus in einer Gedenk- und Informationsstätte neu belebt werden, wofür die Bürgerinitiative thf 33-45 wichtige Arbeit leistet. Tempelhof war nicht nur Flughafen, sondern auch Gefängnis- und KZ-Standort und beschäftigte viele Zwangsarbeiter in der Rüstungsproduktion.

Franziska Eichstädt-Bohlig

Zahlen und Fakten: Gesamtfläche 360 Hektar
Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt hat beim Projekt „Tempelhofer Freiheit“ als zuständige Fachverwaltung die steuernde und koordinierende Rolle. Sie ist Auftraggeberin der Tempelhof Projekt GmbH (zuständig für die ganzheitliche Entwicklung), welche in Kooperation mit der Grün Berlin GmbH (Entwicklung des Parkkraumes, IGA) an der Entwicklung des Standortes arbeitet. Das östlich angrenzende Gebiet Nord-Neukölln ist Teil des Programms „Soziale Stadt“ und als so genannter „Aktionsraum plus“ ausgewiesen.

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